Glück
09/12/2004
Ich liebe das Meer, und eines Tages werde ich auch dort wohnen. Noch ist wohl die Zeit nicht gekommen. Mein Glück allerdings hängt nicht davon ab. Ich weiß, dass ich nicht automatisch glücklicher sein werde, bloß weil ich dann dort wohne. Das Glück liegt nicht außerhalb, es liegt in uns.
Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir.
Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.
(Angelus Silesius)
Neue Wege
11/12/2004
Unsere Wege sind mitunter so eingefahren dass wir überhaupt nicht mehr registrieren, wie häufig wir nur noch in Phrasen reden, vor langer Zeit übernommene Werte weiterführen und unreflektiert mit gelernten Reaktionsmustern arbeiten. Dies wird uns dann bewusst, wenn wir es für einen kurzen Augenblick schaffen, vollkommen aufmerksam im Hier und Jetzt zu sein. Nur - wie oft gelingt uns das?
Mein Wunsch ist es, neue Wege einzuschlagen. Nicht dass Althergebrachtes schlecht sein muss! Aber es muss hinterfragt werden, nicht einfach hörig übernommen, egal ob von anderen Menschen, aus Büchern oder unseren eigenen verirrten Hirnwindungen. Neue Wege - in möglichst jedem Augenblick. Ein aufmerksames, wahrscheinlich anstrengendes aber auch höchst spannendes Leben wartet…
Jetzt
21/12/2004
Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart,
der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht,
und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.
(Meister Eckhart, 1260-1328)
Leid
28/12/2004
Alles im Leben scheint seine Zeit zu haben, und aus allen Begegnungen können wir lernen. Vielleicht ist es gerade Zeit für Leid. Du kannst dich dem nicht erwehren. Du kannst das Leid einfach als Freund willkommen heißen, es zu Tisch bitten, ihm, wie du selbst sagst, das “du” anbieten und mit ihm einen Teil des Weges gemeinsam beschreiten. Eines Tages wird sich das Leid bei dir bedanken und friedlich seiner Wege ziehen. Dann lass es gehen und wende dich dem nächsten Gast zu.
Wenn du das Fürchterlichste auf der Welt nimmst und es einlädst,
es umarmst und mit ihm still sitzt,
was bleibt dann noch übrig, um davor Angst zu haben?
(Cheri Huber, Zen-Meisterin)
Wolken
09/01/2005
Je häufiger man erlebt hat, dass sich nach Stunden, in denen der Himmel voller dunkler, schwerer Wolken hängt, der Sonnenschein mit einer wunderbar verspielten Leichtigkeit wieder Bahn bricht, um so öfter gelingt es einem, sich dessen auch während solcher Stunden bewusst zu sein. Und so sind - zumindest eine Zeit lang - diese dunklen Wolken nicht mehr ganz so bedrohlich.
Ansprüche
11/01/2005
So unterschiedlich die Lebensansichten, Vorstellungen und Ansprüche der Menschen auch sind - nur selten sind die Worte Faulpelz, Idealist, Träumer, Phantast, Arbeitsverweigerer positiv besetzt. Menschen, die das Leben auf sich zukommen lassen, ziellos sind, sich (vielen) Anforderungen der hiesigen Realität nicht stellen wollen sind suspekt. Wichtiger aber, als den Anprüchen der anderen zu genügen ist es, sich mit seinen eigenen Ansprüchen zu arrangieren. Und dies ist nicht immer einfach, ist doch schon von Kindheit an das Anspruchsdenken enorm. Wer mit sich und seinen Ansprüchen im Reinen ist, darf sich als glücklicher Mensch schätzen…
Zeit haben nur diejenigen, die es zu nichts gebracht haben.
Und damit haben sie es weiter gebracht als alle anderen.
(Giovanni Guareschi, ital. Schriftsteller, 1908-1968)
Die Regeln des Menschseins
12/01/2005
Du hast einen Körper erhalten. Gleichgültig ob Du ihn magst oder nicht, er wird für die Zeit Deines Lebens Dir gehören.
Du wirst Lektionen lernen. Du bist an einer informellen Ganztagsschule eingeschrieben, die man “Leben” nennt. Du wirst an jedem Tag in dieser Schule Gelegenheit haben, Lektionen zu lernen. Es kann sein, dass Du die Lektionen magst, oder dass Du sie für dumm oder überflüssig hältst.
Es gibt keine Fehler, nur Lektionen. Wachstum erfolgt durch einen Prozess von Versuch und Irrtum, durch Ausprobieren. Die fehlgeschlagenen Versuche sind genauso Teil des Prozesses, wie der Versuch, der zu einem erfolgreichen Ende führt.
Manche Lektionen werden wiederholt. Eine Lektion wird Dir so lange in den verschiedensten Formen präsentiert werden, bis Du sie gelernt hast. Wenn Du sie gelernt hast, kannst Du zur nächsten Lektion übergehen.
Das Lernen hört niemals auf. Jeder Teil Deines Lebens enthält Lektionen. So lange Du lebst, gibt es Lektionen zu lernen.
“Da drüben” ist es nicht besser als “Hier”. Immer wenn Dein “Da Drüben” zu einem “Hier” geworden ist, wirst Du einfach nur ein weiteres “Da drüben” finden, das wieder besser aussieht, als das “Hier”.
Die anderen sind nur Spiegel Deiner selbst. Du kannst bei einem anderen Menschen nur das mögen oder nicht mögen, was Du an Dir selbst magst oder nicht magst.
Jeder ist seines Glückes Schmied. Was Du aus Deinem Leben machst und wie Du Dich entscheidest, ist Deine Sache. Du hast alle Werkzeuge und alle Quellen, die Du brauchst. Was Du damit machst, liegt bei Dir.
Die Antworten auf die Fragen des Lebens findest Du in Dir. Alles, was Du brauchst, ist sehen, hören und vertrauen.
(Verfasser mir unbekannt)
Demut
18/01/2005
So winzig gemessen an der Kraft der Natur, so unbedeutend mit Blick auf die Geschichte des Universums, so klein gegenüber dem Mysterium des Lebens - da stünde mir Demut gut zu Gesicht.
Und dennoch darf ich in meinem kleinen, bescheidenen Rahmen das Leben, ja die Welt mitgestalten! Demut, Verantwortung - und Dankbarkeit.
Dort
21/01/2005
Solange wir nach einem Dort suchen werden wir niemals ein Hier finden. Denn sobald wir ein Hier gefunden haben begeben wir uns wieder auf die Suche nach einem neuen Dort. Wir sind nicht auf der Suche nach etwas außerhalb, sondern auf der Suche nach etwas in uns. Oder auf der Flucht vor einer inneren Leere. Oder wir haben uns verloren und suchen unseren Weg.
Im Augenblick sehe ich den Wald finde ich die Wege vor lauter Bäumen nicht, verzettle mich und bräuchte eine Landkarte. Eine Karte von meinem Inneren aber kann ich nur selbst zeichnen. Ein wenig ziellos, ratlos…
Es ist schwer, das Glück in uns zu finden,
und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.
(Nicolas de Chamfort, französischer Schriftsteller, 1741-1794)
Tagesaufgabe (1)
23/01/2005
Versuche einmal einen halben Tag lang, dir jeden Kommentars - egal ob gesprochen oder gedacht - vollkommen bewusst zu sein, jede Wertung über einen Menschen oder eine Situation, jede Schublade, in die du einen Menschen steckst, zu hinterfragen und neu zu bewerten.
Wie lange schaffst du das? Wie viele Wertungen haben sich unbewusst manifestiert und halten einer neuen Bewertung nicht stand?





