Tagesaufgabe (3)
25/04/2005
Versuche einmal einen Tag lang nur das zu sagen und zu kommentieren, von dem du 100%ig sicher bist, dass du wirklich (!) bescheid weißt. Wissen aus der Presse und Büchern oder Berichte von anderen reichen nicht aus. Na, wie viele Worte sprichst du heute?
Lebenspuzzle
26/04/2005
Du betrachtest in der Regel nur dein Leben - das ist es, was du kennst, von Anfang bis zum jetzigen Zeitpunkt. Menschen, die dir begegnen, begleiten dich vielleicht einen längeren Zeitraum, oder sie bleiben lediglich flüchtige Begegnungen, von denen man so gut wie nichts weiß. Du siehst die Welt aus deinem Blickwinkel, und für den ein oder anderen dreht sich die Welt sogar nur um einen selbst. Wie aber sähe das Leben auf diesem Planeten von “außerhalb” betrachtet aus? Denke dir einen Zeit- und Raumstrahl, auf dem du alles erfassen kannst - jede Begegnung, das Leben jedes Wesens und die Zusammenhänge untereinander. Wäre es nicht möglich, dass es sich beim Leben um ein riesengroßes, perfekt getimetes Spiel handelt? Wäre es nicht möglich, dass das, was du lediglich als Zufall ansiehst, perfekt aufeinander abgestimmt ist? Wäre es nicht möglich, dass du ein Teil in einem überdimensionalem Puzzle bist? Vielleicht denkst du, dass es ja furchtbar sei, wo wäre denn da die ganze Individualität, wo wäre das besondere an dir? Aber überlege dir mal… was wäre ein Puzzle, in dem nur ein einziges Teil fehlte?
Liebe
29/04/2005
Jeder Mensch definiert den Begriff Liebe auf seine Weise. Für mich ist Liebe zu einem Menschen die Freude, ihm nahe zu sein, aber ohne ihn zu erdrücken. Es ist die Freude an seiner Gegenwart, aber ohne ihn zu begehren. Es ist der Wunsch, ihn glücklich zu sehen, aber ohne mich selbst aufzugeben. Liebe und Verliebtsein haben nicht viel gemeinsam - ersteres ist schwer zu erschüttern, zweiteres eher eine temporäre Angelegenheit. Es sind auch nicht Liebe und Hass, die so nah beieinander liegen, wie man so oft sagt, sondern es sind Begehren und Hass!
Die Liebe erlebt man offenen Gesichts, während man beim Verliebtsein Scheuklappen trägt. Liebe, Verliebtsein und Begehren werden gerne verwechselt, und wir werden hin und wieder von allen Dreien “heimgesucht” ohne uns wehren zu können.
Liebe und Beziehung sind wiederum zwei grundverschiedene Dinge, aber dazu vielleicht ein anderes mal mehr…
Wichtigkeit
05/05/2005
Nichts ist wichtiger als das andere. Wir machen die Dinge wichtig. Inklusive uns selbst.
Flucht
07/05/2005
Egal was du tust - ist es wirklich etwas anderes als die ständige Flucht vor der inneren Leere?
Arroganz
28/05/2005
Gemessen an der Geschichte der Welt sind wir Menschen ein Fliegenschiss. Wie anmaßend ist es sich einzubilden, um uns würde sich alles drehen, wir Menschen hätten ein Anrecht auf Glück?
Was Tiere und Pflanzen über Millionen von Jahren nicht fertig gebracht haben, nämlich die Natur nachhaltig zu zerstören, das hat der Mensch - aus purer Gewinnsucht heraus - in knapp 200 Jahren geschafft. Wie ignorant ist es zu glauben, wir seien die Krone der Schöpfung?
Wer weiß - vielleicht sind wir nur ein - aussterbender? - Ast in der Evolutionsgeschichte? Vielleicht ist das ganze Leben nichts anderes, als die Aneinanderkettung von - logisch aufeinanderfolgenden - Zufällen? Und verliefe in diesem Augenblick eine Kleinigkeit nur eine Spur anders - dann wäre auch dies wieder eine - ebenso logisch aufeinanderfolgende - Aneinanderkettung von anderen Zufällen. Es gibt kein Gut, kein Böse, und das “Schicksal” ist nichts als logischer Zufall.
Wir glauben, die Welt dreht sich um uns, um unser eigenes kleines Schicksal. Niedlicher Gedanke. Vielleicht ist das Leben nur mit diesem Gedanken zu ertragen? Aber wir krallen uns an diesem Gedanken fest. Wir erfinden Religionen die uns Trost, Halt und einen Sinn geben sollen - und haben mit Hinweis auf die Unfehlbarkeit dieser Religionen so viel Elend geschaffen. Vielleicht sollten wir uns einfach mal auf diesen Gedanken, dass wir nur ein winziger - wichtiger, aber durchaus ersetzbarer - Teil der Weltgeschichte sind, einlassen?
Ärgerlich, dieser Gedanke würde das standhafte Festhalten an der Illusion von Ländern, Völker, Rassen als Unsinn entlarven, und gar das Denken, dass einige Nationen und Rassen wichtiger seien, zunichte machen. Er würde das Festhalten an Normen und Werten, an den irrsinnigen Gedanken von Gut und Böse - und vor allem an unserer liebgewordenen Eigenschaft zu meinen, wir hätten zu bestimmen, was gut und böse ist - in Frage stellen. Also, lieber festgehalten an Gottes Wille - nur zu unserem, der Menschen Bestes…
Kann es sein, dass wir Menschen ein wenig arrogant sind?
Unerklärbares Leben
05/06/2005
So viele Menschen meinen, das Leben beschreiben zu können. Sie sind überzeugt davon, dass sie das Leben durchschaut haben und versuchen nun, diese Erkenntnisse zu formulieren. Sie erzählen, euphorisiert von ihren Entdeckungen, sie erklären, und nicht selten versuchen sie zu “überzeugen”. Aber wie unnütz ist dieser Versuch. Das, was wir wirklich leben, kann nicht ausgesprochen werden. Alles Gesagte ist nichts als Interpretation. Das Leben kann nicht erklärt werden, jedes einzelne Wort ist bereits Verfälschung.
Das Tao, das erklärt werden kann, ist nicht das Tao
Endlich begriffen…
Was übrigens weder etwas an der Tatsache ändert dass es weiterhin Erklärungsversuche geben wird noch daran, dass ich mich an ihnen beteiligen werde... ;)
Gegen die Ent-Täuschung
06/06/2005
Sobald unsere Gedanken in einer - imaginären - Zukunft weilen malen sie sich eine Phantasiewelt und schaffen automatisch Täuschungen. Wenn dann aber das reale Leben so spielt wie es selbst das möchte treten diese konstruierten Phantasien nicht ein - und wir werden ent-täuscht. Ein Mittel dagegen wäre es, den Gedanken keine Chance zu geben, sich unbewusst vom Jetzt zu entfernen. Das erreicht man, in dem man in jeder Sekunde achtsam ist.
Für einen “gewöhnlichen Westeuropäer” ist das wohl nicht zu schaffen - und es sollte auch nicht das Ziel sein, da ein Ziel immer in der Zukunft liegt. Aber zu wissen, dass Achtsamkeit Täuschungen und somit auch Ent-Täuschungen vermeidet, kann helfen zu leben - anstatt sich die Welt in der Phantasie zu konstruieren…
Dein Leben
07/06/2005
Man kann Empfehlungen, wie ein anderer sein Leben zu gestalten hat, auch sehr subtil, ohne ein einziges “du musst” oder “du solltest”, aussprechen. Bereits das Heiligsprechen der eigenen - oder mitunter auch nur der “gewünschten” - Lebensweise genügt vollkommen. Allein eine einzige Empfehlung hätte den Anspruch, für den anderen zu gelten, nämlich "lebe so wie du es willst".
Bereuen?
08/06/2005
Mit der heutigen Erfahrung würde ich in bestimmten Situationen, so ich sie denn wieder erlebte, anders reagieren. Aber bereuen? Keine einzige Entscheidung! Es wäre nicht nur müßig, es wäre auch unsinnig: In jeder einzelnen Situation kann man nur so agieren und reagieren, wie es der augenblickliche Stand der Erfahrungen zulässt.





